Themen und Referenten

Thema:

Wie geht Ethik im Krankenhaus?

Thesen, Argumentationen und Beispiele, wie das System Krankenhaus mit ethischen Fragen im klinischen Alltag umgehen kann und soll.

friesenecker

Barbara Friesenecker

Innsbruck
Univ.-Prof. Dr., Fachärztin für Anästhesiologie und Notfallmedizin, 2007 Habilitation im Fach Anästhesiologie und Notfallmedizin, regelmäßige Vortragstätigkeit zum Thema Ethik/Sterbekultur im Krankenhaus, Vorsitzende des Arbeitskreises Ethik in Anästhesiologie und Intensivmedizin, Preisträgerin des Erwin-Schrödinger-Stipendiums, ausgezeichnet mit dem Jubiläumsfond der Österreichischen Nationalbank und dem Medizinischen Forschungsfond Tirol

Thema:

Wieviel Religion braucht/verträgt die Medizinethik?

Welche Rolle spielt die Seelsorge in Österreich bei der Behandlung medizinethischer Fragen im Krankenhaus? Wo liegen die Chancen, wo die Stolpersteine?

schaupp

Walter Schaupp

Graz
Univ.-Prof. DDr., Studium der Medizin in Innsbruck und Wien, Studium der Katholischen Fachtheologie in Wien und Rom, Lizentiat im Fach dogmatische Theologie, 1993 Promotion in Moraltheologie an der Universität Wien über Ethik der medizinischen Forschung am Menschen (Helsinki-Deklaration des Weltärztebunds), 2003 Berufung an den Lehrstuhl für Moraltheologie der Kath.-Theol. Fakultät der Karl Franzens Universität Graz, Mitglied des Ethikkomitees von Eurotransplant, der Ethikkommission und des Ethikkomitees am LKH-Univ. Klinikum Graz, der Bioethikkommission im Bundeskanzleramt, der Provinzethikkommission der Barmherzigen Brüder Österreich.
Arbeitsschwerpunkte: Medizin- und bioethische Fragestellungen, Ethik des guten Lebens, Fragen christlicher Lebensform in einer pluralen Gesellschaft, Ethik und Spiritualität

Thema:

Superseelsorge 4.0? Ethik als Kernaufgabe oder Überforderung der Seelsorge

Seelsorge ist ein Teil der Sorge für die kranken Menschen im Krankenhaus. Damit ist vorausgesetzt, dass bei der Diagnose einer Krankheit immer der ganze Mensch betroffen ist, nicht nur ein Teil seines Körpers. Diese je nach Fokus als ganzheitlich oder multidimensional zu bezeichnende Betrachtungsweise ist nicht nur hilfreich, sondern notwendig für den zu behandelnden Menschen, der selbst eine Entscheidung in Austausch mit seinem persönlichen, sozialen und beruflichen Umfeld sowie im Kontext seiner Spiritualität und persönlichen Wertmaßstäbe trifft bzw. mit der Krankheit klarkommen muss. Ihn beschäftigen also viele Fragen, die von den medizinischen Entscheidungen beeinflusst werden (systemisches Verständnis der Diagnose und Indikationsstellung). Eine ganzheitliche/multidimensionale Sicht hilft aber auch dem Arzt/der Ärztin bei der Indikationsstellung, die neben medizinischem Wissen, standesrechtlichen Regeln und rechtlichen Vorgaben auch den Willen des Patienten berücksichtigt, um ein adäquates Urteil über die beste unter den möglichen Behandlungsmöglichkeiten zu fällen. Hinter dem Willen des Patienten aber verbirgt sich die gesamtheitliche Verortung der Person in ihrem privaten, sozialen und beruflichen Kontext, ihrer Spiritualität und Wertmaßstäbe. Wo hat in diesem Setting medizinisch-ethischer Entscheidungsfindung, das oft auf die Kommunikation zwischen Arzt und PatientInnen eingeschränkt ist, die Seelsorge einen legitimen Platz? Und wenn ja, mit welcher Aufgabe und an welchem Ort?

In Anlehnung an die Idee eines interdisziplinären Behandlungspfads wird sich der Vortrag der Frage widmen, welche Rolle die Seelsorge in diesem Kontext für das Wahrnehmen der persönlichen und ärztlichen sowie ethischer Wertmaßstäbe spielen könnte und welche Chancen und Risiken mit einer Erweiterung des Aufgabenprofils verbunden wären.

mueller

Sigrid Müller

Wien
Univ.-Prof. Dr., Studium der Katholischen Theologie, Lateinischen Philologie und Italienischen Philologie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, 2006 Habilitation im Fach Theologische Ethik/Moraltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen,
Lehre: Grundlegung der Theologischen Ethik (Fundamentalmoral, Geschichte der Moraltheologie, Bioethik (Ethik des Lebens)

Thema:

Musterschüler und Sorgenkinder in Südtirol. Welche Wege haben die Krankenhäuser in Norditalien gefunden, mit ethischen Fragen umzugehen?

Südtirol hat im Unterschied zum übrigen norditalienischen Raum eine weitgehend funktionierende Ethikberatung. Sie erfolgt seit 2008 in Zusammenarbeit zwischen Landesethikkomitee, Sanitätsbetrieb und Verband der Altersheime. Versuche einer Ethikberatung gab es in Venedig und in Padua, die sich jedoch operativ nicht bewährt

haben und die auch einen anderen Ansatz gewählt haben als jene in Südtirol. Es wird vorgestellt, wie die Ethikberatung in Südtirol konkret organisiert ist, wie die Ethikberatungsgruppen zusammengesetzt wird, was sie konkret leisten und welchen Herausforderungen sowie strukturellen und operativen Schwierigkeiten sie begegnen.

lintner

Martin Lintner OSM

Innsbruck
Prof. Dr., Studium der Katholischen Fachtheologie, Mitglied des Servitenordens, 2011 Berufung zum Ordentlichen Professor für Moraltheologie und Spirituelle Theologie an der PTH Brixen, Mitglied der Internationalen Vereinigung für Moraltheologie und Sozialethik, Mitglied im Europa-Regional-Komitee der CTEWC – Catholic Ethicists in the World Church, Mitglied des Landesethikkomitees der Autonomen Provinz Bozen und des Klinischen Ethikkreises Innsbruck
Forschungsschwerpunkte: Ethik der Gabe, Bio- und Medizinethik, Tier- und Umweltethik

Thema:

Medizinethische Beratung als Teil des Wertemanagements und die besondere Rolle der Seelsorge. Erfahrungen der Vinzenz Gruppe.

Vor mehr als 10 Jahren wurde in der Vinzenz Gruppe eine strukturierte Ethikberatung eingeführt. Dadurch, dass die Medizinethik ein Teil des Wertemanagements ist, ist es zum Großteil gelungen, dass die Ethikberatung auch von Ärzten, Pflegepersonen und anderen Berufsgruppen angenommen wurde. Trotzdem ergeben sich im Krankenhausalltag immer wieder Reibungspunkte durch unterschiedliche Sichtweisen und Interessen.

In dem Co-Referat wird das Modell der Medizinethischen Beratung als Teil des Wertemanagements kurz vorgestellt, beispielhaft durch konkrete Geschichten die Implementierung der Ethik ins Krankenhaus veranschaulicht und Erfahrungen mit unterschiedlichen Rollen der Seelsorgerinnen und Seelsorger reflektiert. Letztlich soll hier pragmatisch aufgezeigt werden, worauf es zum Gelingen der medizinethischen Beratung ankommt und worauf Seelsorgerinnen und Seelsorger achten sollten.

kinast

Rainer Kinast

Wien
Mag., Studium der Katholischen Fachtheologie, Psychotherapeut, Leiter des Zentralbereiches Wertemanagement in der Vinzenz Gruppe, Freiberuflicher Berater für Führungskräfte und Unternehmen
www.kinast-zeggl.at

Thema:

Welches Handwerkszeug brauchen die Seelsorgerinnen und Seelsorger, um fit zu werden für die mögliche neue Aufgabe?

Vorstellung des Zertifizierungskurses Medizinethik in der Klinikseelsorge, welcher SeelsorgerInnen zu EthikberaterInnen im Gesundheitswesen ausbildet.

mandry

Christof Mandry

Frankfurt/Main
Prof. Dr., Professor für Moraltheologie/Sozialethik an der Goethe-Universität Frankfurt/Main,
Seine Forschungs- und Interessenschwerpunkte liegen zum einen im Bereich der Lebensführung und der Identität moralischer Personen, auf der anderen Seite in den Bereichen der politischen Ethik (gesellschaftlicher Pluralismus, europäische Union, Migration) sowie der Bio-und Medizinethik (Ethik im Gesundheitswesen, medizinethische Entscheidungsfragen). Er leitet den interreligiösen und internationalen Projektbereich „Medizinethik in der Klinikseelsorge“.